Magersucht ist nach Meinung von Experten die psychische Krankheit mit
der höchsten Sterblichkeitsrate. Bis zu 15 Prozent der Betroffenen im
Erwachsenenalter würden an den Auswirkungen der Krankheit sterben,
sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen
(DGESS), Manfred Fichter, am Mittwoch in München. Von Donnerstag bis
Sonntag diskutieren Experten bei einer Tagung in Prien am Chiemsee über
dieses Thema.
Die meisten Betroffenen sterben nach Auskunft Fichters an den
direkten Folgen der Mangelernährung, aber auch die Zahl der Selbstmorde
ist hoch. Nur rund die Hälfte der Patienten könne wieder ganz geheilt
werden. "Essstörungen werden oft belächelt, aber es ist wichtig, dass
sie ernst genommen werden", sagte der Mediziner. Aus diesem Grund hat
die DGESS auch zu einer Mahnwoche aufgerufen, die an diesem Sonntag zu
Ende geht.
Nach Schätzungen der Gesellschaft leiden in Deutschland rund
sechs Prozent aller Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht oder
einer anderen Essstörung wie etwa Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Bei
Männern sind Essstörungen seltener: Auf zehn Frauen kommt
durchschnittlich ein Mann. Auch die Therapie der Krankheit sei bei
Männern einfacher. "Männer wollen Muskeln haben und bei der Magersucht
schmelzen irgendwann auch die weg. Und dann sind Männer leichter zu
motivieren, wieder etwas zu essen", so Fichter, Chefarzt der
Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee.
Als Ursache für Essstörungen gelten unter anderem äußere
Belastungen wie Stress und starke Selbstwertprobleme. Hinzu kommen oft
Depressionen. "Der Patient denkt dann nur noch an Essen, Nahrung,
Gewicht, Figur", beschrieb Fichter. Die Therapie von Essstörungen sei
nicht einfach. Medikamente würden bei den Kernsymptomen der Magersucht
überhaupt nicht helfen. Auch sind viele medizinische Einrichtungen nach
Einschätzung Fichters noch nicht gut genug für eine derartige Therapie
gerüstet. Hier müsse noch mehr geforscht und besser informiert werden.
Weitere Informationen unter: http://www.dgess.de oder http://www.essprobleme.com
Letzte Änderung des Artikels: 2007-11-12 19:26
Verfasser des Artikels: admin
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